Innerer Kritiker Maria und der Pinsel Kreativität Gelassenheit Prozess

Mein innerer Kritiker und ich

Kennst du sie? Diese kritische innere Stimme, die dir zuflüstert, du würdest nur versagen? Du würdest alles falsch machen? Und jeder weitere Versuch wäre Zeitverschwendung? Unser innerer Kritiker entwickelt manchmal eine unglaubliche Kontrolle über unser Denken und geht soweit, dass er den Glauben an uns selbst fortlaufend in Frage stellt und uns in alltäglichen Handlungen drastisch einschränkt.

Ich male seit meiner Kindheit und dachte lange Zeit, dass es beim Malen ums Ergebnis geht. Darum, ein möglichst ästhetisches, fehlerfreies und massentaugliches Bild zu fertigen.

Perfektionismus, Talent, Können. Alles Blödsinn!

Wenn mein Sohn mich fragt, ob das Bild, das er gerade zu Ende gemalt hat „gut aussieht“, antworte ich „Jedes Bild ist schön! Hauptsache, du hast Freude beim Malen.“ Und das meine ich auch so. Es fällt mir leicht, das zu ihm zu sagen, aber so schwer, es bei mir selbst umzusetzen.

Ich habe tatsächlich Jahrzehnte gebraucht, um zu verstehen, dass es eben nicht ums Ergebnis geht. Nicht ums Ziel. Nicht darum abzuliefern und fertig zu werden.

Es ist, wie so oft, der Weg, der die wahre Magie bereithält.

Es geht um den Prozess, um alle Gefühle, die beim Malen auftauchen. Und darum, sie wahrzunehmen und auch wirklich zu fühlen. Ums Loslassen und Akzeptieren. Darum, eine Verbindung in mein Innerstes zu finden und rauszulassen, was ich dort sehe und fühle. Womöglich verspüre ich genau deswegen zu Bildern, die „aus Versehen“ entstanden sind, eine viel emotionalere Bindung als zu Bildern, die ich im Kopf geplant habe und solange bearbeitet habe, bis ich zufrieden war. Denn alles, was bei der Entstehung in mir präsent ist, findet einen Platz im Bild. Ob nun für andere sichtbar oder nicht. Ich sehe und fühle in meinen Bildern, was ich während des Schaffens erlebt habe. Wie ein kleiner Seelenabdruck.

Innerer Kritiker Maria und der Pinsel Kreativität Gelassenheit Prozess

Ist unser innerer Kritiker für irgendetwas gut?

Der Prozess ist entscheidend. Er bestimmt darüber, was ich mit den fertigen Bildern verbinde.

Durch meinen Wunsch nach perfekten Bildern habe ich lange Zeit gegen meinen Kritiker angekämpft. Malen bestand für mich immer aus dem anstrengenden Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. Aus ständiger innerer Verurteilung. Sodass das Malen für mich zu einer Hassliebe wurde. Wenn mir gute Bilder gelangen, war ich unglaublich stolz. Wenn es nicht so war, verteufelte mein innerer Kritiker mein Nichtkönnen. Schon bevor ich den Bleistift (mit Stiften, die man nicht radieren konnte, habe ich früher nie gemalt) aufsetzte, spürte ich unglaublich viel Druck in mir.

Solche Verhaltensmuster legt man nicht von heute auf morgen ab. Aber es ist schon ein Meilenstein, sie überhaupt wahrzunehmen. Und mittlerweile denke ich dann: „Aha, da bist du wieder. Du unangenehmer Druck im Bauch. Dich kenn ich schon.“

Ich glaube, ein guter Weg ist, dem inneren Kritiker zuzuhören und es beim nächsten Mal besser zu machen, aber sich selbst deswegen eben nicht zu verurteilen.

Fehler sind wichtig, ohne Fehler, keine Erfahrung, keine Weiterentwicklung.

Auch ein Satz, den ich meinem Sohn oft sage.
Aber selbst wenn der logische Verstand begreift, dass es ungesund und unnötig ist, verhält sich der Körper wie seit Jahren antrainiert. Dazu bedarf es Verständnis und Geduld einem selbst gegenüber. Und viel Übung darin, immer wieder weich statt hart zu werden, weit statt eng, offen statt verschlossen.

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